Isbaal: Die Bedingung von Hochmut
Von Sheikh Hakim al-Ummah Ashraf ‘Ali Thanwi
Hinsichtlich dem Tragen von Hosen [...] unter den Knöchel [Isbaal] [...] wird es in einem Hadith in Sahih al-Bukhari und Sahih al-Muslim erwähnt, dass der Gesandte Allahs صلى الله عليه وسلم sagte, dass [am Tag des Jüngsten Gerichts] Allah Ta’ala denjenigen nicht mit Gnade anschauen wird, der sein Izaar (unteres Kleidungsstück) mit Hochmut herablässt.1 Die Grenze dieses Herablassens [seines unteren Kleidungsstückes unter die Knöchel] wird in einem zweiten Hadith erwähnt, in dem der Gesandte Allahs صلى الله عليه وسلم sagte, dass das untere Kleidungsstück [sein Teil], welches unter den Knöchel ist, im Höllenfeuer ist. Dieser Hadith wurde von al-Bukhari berichtet.2
Ein dritter Hadith erwähnt das Verbot dieses für andere Arten von Kleidungsstücke. Der Gesandte Allahs صلى الله عليه وسلم sagte, dass es Isbaal (verlängern und überschreiten der Grenzen) auch bei der Hose, dem Hemd und den Turban gibt. Wer immer irgendeinen dieser Kleidungsstücke mit Hochmut länger lässt, den wird Allah Ta’ala am Tag des Jüngsten Gerichts nicht mit Gnade anschauen. Abu Dawud, al-Nisai und Ibn Majah haben diesen Hadith berichtet.3 Dieser Hadith wird durch einen weiteren Hadith bekräftigt, in welchem es erwähnt wird, dass Allah Ta’ala am Tag des Jüngsten Gerichts die Person, die seine Kleidung mit Hochmut länger lässt, nicht mit Gnade anschauen wird. Dieser Hadith wurde von al-Bukhari und Muslim berichtet.4 Der Gesandte Allahs صلى الله عليه وسلم hat in diesem Hadith auf unbegeschränkte Weise Kleidung genannt, worin alle [Arten von] Kleider inbegriffen sind. Die Grenze des Verlängern der Hosen wurde in dem Hadith genannt und die Grenzen bei anderen Kleindungsstücken – wie von Gelehrten erwähnt – ist [beim Hemd] den Ärmel über die Finger und Hälfte des Ende des Turbans unter die Hüfte hängen zu lassen. All diese [Arten des] Isbaal sind verboten.
Einige stumpfsinnige Individuen sagen, dass das im Hadith erwähnte Verbot für Isbaal nur mit Hochmut gilt, und wir machen es ja nicht aus Hochmut, also ist es für uns erlaubt. Erstens sollte man wissen, dass es falsch ist zu behaupten, dass wir es nicht aus Hochmut tun. Dann warum tut ihr es? Warum adoptiert ihr nicht das Sunnah Aussehen? Es ist weil, dass Sunnah Aussehen zu adoptieren euch Elend bereitet. Warum verachtet ihr Hosen über die Knöchel? Wenn dies nicht Hochmut ist, dann was sonst?
Zweitens, muss die im Hadith erwähnte Bedingung von Hochmut nicht unbedingt eine ausschließende Bedingung [qayd ihtiraazi]5 sein. Es ist auch möglich, dass es sich um eine gelegentliche Bedingung [qayd waqi'i]6, denn die meisten Leute tun Isbaal mit dem Zweck von Hochmut. Deshalb hat der Prophet صلى الله عليه وسلم diese Bedingung genannt, es (Isbaal) ist ohne Hochmut ohnehin verboten. Des Weiteren wird es in dem zweiten Hadith am Anfang dieses Kapitels erwähnt, dass die Knöchel die Grenze sind. Die Bedingung von Hochmut wurde in diesem Hadith nicht erwähnt, vielmehr ist diese Aussage des Propheten صلى الله عليه وسلم unbedingt – was beweist, dass mit oder ohne das Vorhandensein von Hochmut, Isbaal ist in all seinen Formen verboten.
Ja, [bei Isbaal] mit Hochmut, wird die Ergänzung der weiteren Sünde von Hochmut die Sünde schlimmer machenmm – dies ist ein separater Aspekt. Ohne Hochmut bleibt nur eine Sünde, aber diese wird gewiss verbleiben. Es gibt keine Möglichkeit für Freistellung oder Zulässigkeit hier. Wenn jemand sagt, dass wir diese uneingeschränkte [mutlaq] Überlieferung auf die eingeschränkte [muqayyad] Überlieferung zurückführen, dann ist die Antwort dazu, dass diese Regelung in den Prinzipien [Usul] der Hanafi Fiqh mit Beweisen erwiesen wurde, dass der mutlaq in seiner Anwendung [itlaq]7 immer [uneingeschränkt] verbleibt. Kurzum, es besteht keinerlei Platz für Zulässigkeit.
[Auszug aus "Islah al-Rusum"]
1 Der Prophet صلى الله عليه وسلم sagte: „Allah wird denjenigen nicht anschauen, der sein Gewand (Izaar) aus Hochmut hinter sich her schleifen läßt.“ [al-Bukhari und Muslim]
2 Der Prophet صلى الله عليه وسلم sagte: „Was vom Gewand (Izaar) über die Knöchel reicht, ist für das Höllenfeuer bestimmt.“ [al-Bukhari]
3 Der Prophet صلى الله عليه وسلم sagte: „Das Herabhängenlassen (Isbaal) bezieht sich auf das Gewand, das Hemd und den Turban. Wer etwas aus Hochmut herabhängen lässt, den wird Allah am letzten Tag nicht anschauen.“ [Abu Dawud, al-Nisa'i und Ibn Majah]
4 Der Prophet صلى الله عليه وسلم sagte: „Wer auch immer sein Gewand aus Hochmut hinter sich her schleifen läßt, den wird Allah am Tag des Jüngsten Gerichts nicht anschauen.“ [al-Bukhari und Muslim]
5 Siehe Fußnote 6.
6 Eine ausschließende Bedingung – oder qayd ihtiraazi – ist eine Bedingung, die mit dem ausdrücklichen Zweck etwas auszuschließen genannt wird. Wenn der Hadith sagt, dass derjenige, der seine Hose mit Hochmut hinter sich her schleifen läßt, bestraft wird, und die Bedingung angenommen ist ihtiraazi, dann ist die Sünde nur wenn man Isbaal mit Hochmut tut. Deshalb würde man sagen, dass die Bedingung die Situation, wenn es ohne Hochmut ausgeübt wird, ausgeschlossen hat. Aber das ist hier nicht der Fall, die Bedingung von Hochmut hier ist eigentlich eine gelegentliche Bedinungung oder qayd ittifaqi (auch bekannt als qayd waqi’i), welches dann ist wenn etwas auf eine Weise genannt wird, die einer Bedingung ähnelt, aber in Wirklichkeit ist es keine Bedingung – infolgedessen schließt es nichts aus. Wenn die Bedingung von Hochmut in dem Hadith eine qayd ittifaqi genannt wird, bedeutet es, dass ihre Erwähnung in dem Hadith ittifaqan (zufällig) war. Daher spielt es für den Rechtsspruch keine Rolle. Der Rechtsspruch des Verbots würde selbst wenn kein Hochmut vorhanden ist gelten. [Mufti Husain Kadodia]
7 Sheikh Hakim al-Ummah Ashraf ‘Ali Thanwi hat diesen Usul in „Imdad al-Fatawa“ detailierter erklärt. Eine Übersetzung seiner Fatwa zu diesem Sachverhalt folgt bald.
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