Grenzen der Differenzen

Von Sheikh Mufti Mahmud al-Hasan Gangohi

ikhtilaf

Es ist nur angemessen, dass der Allgemeinheit gezeigt wird wie sie sich zu verhalten haben wenn Meinungsverschiedenheiten zwischen ‚Ulema [Gelehrten] auftreten. Daher werden unten Richtlinien aufgeführt, die aus Sheikh Mufti Muhammad Shafi‘ seinem Buch „Wahdat-e-Ummah“ und Sheikh al-Hadith Muhammad Zakariya seinem Buch „Al-I’tidaal“ entnommen wurden.

Sheikh Mufti Muhammad Shafi‘ schreibt:

Viele Leute werden beunruhigt und besorgt, wenn die ‚Ulema sich untereinander unterscheiden, und sie fragen: „An welchen Weg sollten wir uns wenden?“ Aber versteckt unter dieser Frage ist die Aussage: „Dann hören wir halt auf keinen und tun wie wir wünschen.“ Oberflächlich betrachtet scheint die Frage berechtigt.

Also, man kann die Antwort finden wenn man über unsere tagtäglichen Angelegenheiten nachdenkt. Wenn eine Person zum Beispiel krank wird. Er sucht die Empfehlungen eines Doktors auf. Doktoren differieren in der Diagnose und der Behandlung der Krankheit. Was macht er? Wählt er letztendlich nicht einen von ihnen aus, nachdem er die Zuverlässigkeit der Doktoren erforscht hat oder durch ihre Patienten oder andere erfahrene Leute herausgefunden hat, wer von ihnen kompetenter ist? Dann folgt er der Diagnose und Behandlung seines ausgewählten Doktors und er tadelt oder spricht auch nicht schlecht über die anderen Doktoren. In diesem Augenblick, denkt er nicht daran auf Alle zu verzichten und zu handeln wie er wünscht, weil die Doktoren unterschiedliche Meinungen haben. Warum gebrauchen wir nicht das gleiche Feingefühl, wenn die ‚Ulema in einigen Fällen differieren?

Man nehme ein anderes Beispiel: Du möchtest eine Klage gegen einen bestimmten Beteiligten einreichen. Daher suchst du juristischen Rat von einer Reihe von Rechtsanwälten. Wenn sie verschiedene Meinungen haben, würde deswegen keiner die Klage fallen lassen und weder würde irgendjemand sagen: „Da die Anwälte differieren lasse ich sie ausser Acht. Ich werde mit der Klage alleine weiter machen.“ Ganz im Gegenteil, jede Person würde auf seine Art heraus finden wer der dynamischste und erfolgreichste Rechtsanwalt ist, auf dass er den Fall übernimmt. Darüber hinaus, hegt er keinen Groll gegenüber den anderen Anwälten, welche zu seinem Anwalt widersprüchliche Ansichten hatten. Er macht sich auch nicht daran sich mit ihnen zu streiten oder über sie übel zu reden.

Warum benutzten wird nicht die selben natürlichen und einfachen Prinzipien, wenn es um die Meinungsverschiedenheiten der ‚Ulema geht? Hier ist eine wichtige Anmerkung zu beherzigen: Sollte jemand einen unfähigen Doktor oder unzuverlässigen Rechtsanwalt auswählen, wird diese Person bestimmt schädliche Auswirkungen und Ergebnisse erleiden. Aber das ist nicht der Fall beim Auswählen einer Ansicht eines bestimmten Gelehrten, wenn die ‚Ulema differieren. Es wird in einem Hadith gesagt, „Wenn einer sich nach einer Sache bei einem Gelehrten erkundigt und der Gelehrte eine falsche Fatwa [Rechtspruch] gibt, ist der Fragende nicht sündig.“ Ja, die Bedingung gilt das die Person einen Gelehrten, den er fragen kann, genau so sucht wie er einen authentischen Doktor oder Anwalt suchen würde. Nachdem man sich selber auf der Suche nach einen authentischen und seriösen Gelehrten bis zum Äußerstem bemüht hat und man akzeptiert und handelt nach seiner Ansicht, spricht Allah ihn von seiner Verantwortung frei. Sogar wenn die Ansicht des Gelehrten falsch war, so ist der Fragende nicht zu beschuldigen.

Es sollte nicht der Fall sein, dass bei der Suche nach einem Doktor wir darauf achten, dass er zum Beispiel ein Medizinstudium Absolvent und ein Experte ist, aber bei der Suche nach einem Gelehrten sind unsere einzigen Kriterien, das er ein Kamiez, Bart, Turban und dramatische Ansprachen hat. Wenn das die Art von Gelehrten ist die du suchst, dann wirst du nicht von deiner Verantwortung frei gesprochen. Wenn die Person die man ausgewählt hat nicht ein Gelehrter wirklich mit guten Kenntnissen ist, und er dir eine falsche Antwort gibt und du folglich danach handelst, dann begehst auch du eine Sünde.

[Auszug aus „Wahdat-e-Ummah“, Seite 49]

Deshalb sollte man neben dem Wissen des Gelehrten auch sein Leben mustern. Entspricht es der Sunnah? Das Leben welches Gelehrten ist mehr im Einklang mit der Sunnah? Wer hat mehr Geiz nach dieser vergänglichen Welt und wer hat mehr Eifer und Verlangen für Akhirah? Schau dir die Personen, die mit ihm verkehren, an: Sind sie religiös, gottesfürchtig, Folger der Sunnah und gierig für das Jenseits oder nicht? Nachdem man diese Punkte unter Betracht gezogen hat, kann man fortfahren und dem Gelehrten, dem man am meisten vertraut, folgen – ohne außer Acht zu lassen dass es obliegend ist die anderen Gelehrten zu respektieren, denn es ist überaus schädlich für den seelischen Zustand einer Person ihnen gegenüber unhöflich und beleidigend zu sein. Leider, hat sich die Lage derart verschlechtert dass geschweige denn die Integrität, sogar der Iman [Glaube] der ‚Ulema wird angegriffen. Ah! Allein bei Allah beklagen wir uns.

Sheikh al-Hadith Muhammad Zakariya schreibt:

Die breite Masse unter den Muslimen hat es zu einer unnötigen Angewohnheit gemacht bei religiösen Fällen Urteile zu fällen – und halten dieses sogar für ihr Recht. Welche Notwendigkeit gibt es für sie über Männer des Wissens zu richten, wenn es unter ihnen [den Gelehrten] selber Meinungsverschiedenheiten gibt? Welches Recht haben sie dazu, wenn sie leer sind von der Fähigkeit die akademischen Diskussionen und Argumente der ‚Ulema zu verstehen? Ist es nicht törich, dass sie darauf beharren Richter zwischen den ‚Ulema zu werden und über ihre Ergebnisse Urteile zu fällen, wenn sie nicht mal in der Lage sind dies zu tun?

Was diese gewöhnlichen Leute wirklich tun sollten ist es der Führung der wahren ‚Ulema, in die sie Vetrauen haben und über welche sie aus Erfahrung wissen, dass sie gottesfürchtig, religiös, erfahren und heilig sind, zu folgen. Dieses wäre sicherlich geschehen, wenn das Finden der Wahrheit, Folgen der Rechtschaffenheit und Vollbringen von tugendhaften Taten – was ein Muslim tun sollte – das Ziel dieser Leute wäre.

Aber hier in diesem Fall, ist das Ziel Auseinandersetzungen zu erschaffen. Sie finden keine Freude in den Versammlungen in denen der Gegner nicht bloßgestellt und geschmäht wird. Ganz im Gegenteil, die Versammlung und Veranstaltung in welcher unkomplizierte einfache religiöse Reden gehalten werden betrachten sie als überaus leblos und langweilig. Für sie ist es absolut nicht wert solch eine Rede zu hören. Nach ihrer Auffassung beherrscht der Redner noch nicht die Kunst des Redens, ein guter Redner ist vielmehr einer der schlau ist und seinen Gegnern eine barsche Antwort geben kann.

[Auszug aus „Al-I’tidaal“, Seite 210]

Weiter schreibt der Sheikh:

Ich sage nochmals den richtigen Weg zu folgen ist es, entsprechend der Erklärung des Gelehrten, welchem man vertraut, welcher ein praktizierender Muslim, ein Mann des Wissens und Forschung ist, zu handeln. Leider, behaupten wir zwar für die Akabir [Größeren/Älteren] Liebe und in sie Glauben zu haben, aber wir handeln nicht wie sie möchten.

Das Ergebnis unserer Liebe und Unterstützung für unsere Akabir, dass wir Beschimpfungen auf die, die als Akabir anderer gelten, niederprasseln lassen. Unsere Akabir haben sich nie auf diese Weise benommen. Das Wort Allahs, was die Basis für den Glauben jeden Muslims ist, ist in dieser Angelegenheit ziemlich hart und weist an:

وَلاَ تَسُبُّواْ الَّذِينَ يَدْعُونَ مِن دُونِ اللّهِ فَيَسُبُّواْ اللّهَ عَدْوًا بِغَيْرِ عِلْمٍ

„Und schmähet nicht die, welche sie statt Allah anrufen, sonst würden sie aus Groll Allah schmähen ohne Wissen.“ [6:108]

Denkt nur mal nach! Hier verbietet der Qur’an uns die Götzen der Götzendiener zu beschimpfen. Aber wenn wir die Anhänger des Qur’an anschauen und betrachten, finden wir keine politische Veranstaltung, Versammlung oder Festzüge in denen Slogans zur Vernichtung oder Ruin der Akabir und Führer der gegnerischen Gruppe nicht geschriehen werden. Heute finden wir, dass die Gruppen anstatt Bildung von Einigkeit, Verstärkung der Kräfte und Zusammenarbeit zu erstreben, arbeitet jede Gruppe für den Untergang der anderen , verspottet sie, macht sie schlecht und wünscht ihnen den Tod.

Es ist so amüsant und lächerlich, dass jede Gruppe der anderen den Tod wünscht und trotzdem weinen und beklagen sie sich darüber, das die Muslime auf Zerstörung zusteuern.

[Auszug aus „Al-I’tidaal“, Seite 211]

[Auszug aus „Hudud al-Ikhtilaf“]

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