Umgang mit den Ungläubigen

Von Sheikh Mufti Muhammad Rafi’ Usmani

Frage: Wie sollte ein Muslim mit den nicht-Muslimen umgehen? Ist es erlaubt eine Beziehung mit ihnen durch Begrüßen [Salaam] und Bittgebete [Du’a] zu pflegen?

Antwort: Hinsichtlich dem Umgang der Muslime mit den Ungläubigen [Kuffar] hat der Islam einige Prinzipien festgelegt. Diese werden hier mit Beweisen nummeriert genannt. Am Ende werden auch eine Zusammenfassung der Antwort und die Urteile über ein paar Rechtsfragen [Masa’il] aufgeführt.

[1] Das erste Prinzip lautet, dass gegen die Ungläubigen Jihad zu führen die beste ‚Ibaadah seiner Art ist, welches unter manchen Umständen sogar wajib und fardh al-‚ayn wird. (Da dieses Prinzip sehr bekannt ist verspüre ich keine Notwendigkeit dessen Beweise hier aufzuführen.)

[2] Das zweite Prinzip besagt, dass ihnen Unrecht anzutun unter keinem Umstand erlaubt ist, vielmehr ist [das Einhalten von] Gerechtigkeit und Fairness unter allen Umständen verpflichtend. Der Qur’an weist deutlich an:

وَلاَ يَجْرِمَنَّكُمْ شَنَآنُ قَوْمٍ عَلَى أَلاَّ تَعْدِلُواْ اعْدِلُواْ هُوَ أَقْرَبُ لِلتَّقْوَى وَاتَّقُواْ اللّهَ إِنَّ اللّهَ خَبِيرٌ بِمَا تَعْمَلُونَ

„Und die Feindseligkeit eines Volkes soll euch nicht verleiten, anders denn gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist näher der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist kundig eures Tuns.“ [5:8]

In Surah Maidah gibt es im ersten Ruku‘ noch einen Vers:

وَلاَ يَجْرِمَنَّكُمْ شَنَآنُ قَوْمٍ أَن صَدُّوكُمْ عَنِ الْمَسْجِدِ الْحَرَامِ أَن تَعْتَدُواْ

„Es soll euch die Feindseligkeit eines Volkes, so es euch an der Heiligen Moschee hinderte, nicht zur Übertretung verführen.“ [5:2]

In diesem Vers wurde mit Schärfe davor abgehalten den Polytheisten [Mushrikin] Makkahs Unrecht anzutun, die dem Propheten صلى الله عليه وسلم und den Muslimen den Eintritt in die heilige Moschee verwehrten. Die Schlussfolgerung ist, dass es nicht erlaubt ist den Ungläubigen selbst bei aller härtester Feindschaft Unrecht anzutun und Recht und Fairness zu verlassen.

[3] Das dritte Prinzip besagt, dass Versöhnung mit den Ungläubigen erlaubt ist. Der Qur’an spricht:

وَإِن جَنَحُواْ لِلسَّلْمِ فَاجْنَحْ لَهَا

„Sind sie jedoch zum Frieden geneigt, so sei auch du ihm geneigt.“ [8:61]

[4] Das vierte Prinzip ist, dass Freundschaften mit ihnen nicht erlaubt sind. Daher warnt der Qur’an:

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُواْ لاَ تَتَّخِذُواْ الْيَهُودَ وَالنَّصَارَى أَوْلِيَاء بَعْضُهُمْ أَوْلِيَاء بَعْضٍ وَمَن يَتَوَلَّهُم مِّنكُمْ فَإِنَّهُ مِنْهُمْ

„O die ihr glaubt! Nehmet nicht die Juden und die Christen zu Freunden. Sie sind Freunde gegeneinander. Und wer von euch sie zu Freunden nimmt, der gehört fürwahr zu ihnen.“ [5:51]

يَا أَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُواْ لاَ تَتَّخِذُواْ الَّذِينَ اتَّخَذُواْ دِينَكُمْ هُزُوًا وَلَعِبًا مِّنَ الَّذِينَ أُوتُواْ الْكِتَابَ مِن قَبْلِكُمْ وَالْكُفَّارَ أَوْلِيَاء

„O die ihr glaubt, nehmt euch nicht die zu Freunden – unter jenen, denen vor euch die Schrift gegeben ward, und den Ungläubigen -, die mit eurem Glauben Spott und Scherz treiben.“ [5:57]

In diesem Vers wurden Freundschaften mit allerlei Ungläubigen ausdrücklich verboten.

[5] Das fünfte Prinzip ist, dass Güte und gutes Benehmen gegenüber den Ungläubigen nicht nur erlaubt ist, sondern empfehlenswert [mustahhab]. Es ist die Anweisung des Islams:

و أحسن إلي من أساء إليك
„Tu jenem Gutes, der dir Schlechtes getan hat.“

Und in Surah Tawbah heißt es:

وَإِنْ أَحَدٌ مِّنَ الْمُشْرِكِينَ اسْتَجَارَكَ فَأَجِرْهُ

„Und wenn einer der Götzendiener bei dir Schutz sucht, dann gewähre ihm Schutz.“ [9:6]

Und es ist offentsichlich, dass den Ungläubigen gegenüber die aller größte Güte ist, sie mit guter Vorgehensweise zum Islam zu rufen und für ihre Ehrung durch den Islam Du’a zu machen. Auch in weltlichen Angelegenheiten kann man ihnen gegenüber gütig sein, wir finden reichliche Beispiele dafür im reinen Leben des Gesandten صلى الله عليه وسلم.

[6] Das sechste Prinzip besagt, dass unter normalen Umständen den Ungläubigen Repekt zu erweisen, indem man zum Beispiel für sie aufsteht und so weiter, nicht erlaubt ist. Für das aus Respekt an ihrem Grab Stehen gilt dasselbe Urteil. In Surah Tawbah wird der Gesandte Allahs صلى الله عليه وسلم angewiesen:

وَلاَ تَقُمْ عَلَىَ قَبْرِهِ إِنَّهُمْ كَفَرُواْ بِاللّهِ وَرَسُولِهِ

„Noch stehe an seinem Grabe; sie glaubten nicht an Allah und Seinen Gesandten.“ [9:84]

Das Nachahmen [mushabbah] der Ungläubigen gehört auch zur Ehrung und es wurde in den prophetischen Überlieferungen [Ahadith] streng verboten.

Allerdings, wird der Ungläubige aufgrund von religiösen Zweckmässigkeiten mit Achtung behandelt oder man befürchtet, dass er einem schaden sollte, falls man ihn nicht mit Achtung behandelt, so ist es mit der Bedingung erlaubt, dass man weiterhin seinen Unglauben in seinem Herzen als schlecht ansieht. [Radd al-Muhtar: Seite 79, Band 3]

[7] Das siebte Prinzip lautet, dass das Erbitten um Vergebung für jenen Ungläubigen, der im Zustand des Unglaubens gestorben ist, nicht erlaubt ist. Deshalb weist der Qur’an an dies zu unterlassen, es heißt:

مَا كَانَ لِلنَّبِيِّ وَالَّذِينَ آمَنُواْ أَن يَسْتَغْفِرُواْ لِلْمُشْرِكِينَ وَلَوْ كَانُواْ أُوْلِي قُرْبَى مِن بَعْدِ مَا تَبَيَّنَ لَهُمْ أَنَّهُمْ أَصْحَابُ الْجَحِيمِ

„Es kommt dem Propheten und den Gläubigen nicht zu, daß sie für die Götzendiener Verzeihung erflehen sollten, und wären es selbst ihre nächsten Angehörigen, nachdem ihnen deutlich kund geworden, daß jene der Hölle Bewohner sind.“ [9:113]

[8] Das achte Prinzip ist, dass Bittgebete für ihre Rechtleitung [Hidaayah] und Verbesserung [Islah] erlaubt sind. Außerdem sind Bittgebete für solchen weltlichen Profit, dessen notwendige Folge nicht Schaden der Muslime ist, ebenfalls erlaubt.

Deshalb hat der Gesandte Allahs صلى الله عليه وسلم beim Anlass von der Schlacht [Ghazwa] Uhuds für die Polytheisten Makkahs folgendes Bittgebet gemacht:

رب اهد قومي فانهم لا يعلمون
„O mein Rabb, rechtleite mein Volk (Polytheisten Makkahs),
denn sie haben kein Wissen (über die Wahrheit).“

Man kann viele ähnliche Begebenheiten in der Zeit des Gesandten صلى الله عليه وسلم finden.

In Fatawa Shaamiyya heißt es, dass wenn ein Verwandter eines ugläubigen Nachbarn verstirbt, sollte man ihm sein Beileid ausdrücken und für ihn folgendes Bittgebet machen: „Möge Allah dir etwas besseres als Ersatz geben und dich bereinigen.“

Zusammenfassung
Die oben genannten acht Prinzipien kann man auf folgende Art und Weise in nur vier zusammenfassen:

[1] Jihad mit den Ungläubigen zu führen ist erlaubt und in manchen Situationen fardh, aber ihnen Unrecht anzutun ist unter keinen Umständen erlaubt.
[2] Sich mit den Ungläubigen zu versöhnen ist erlaubt, aber Freundschaft ist nicht erlaubt.
[3] Ihnen gegenüber gütig zu sein ist erlaubt, aber ihnen Respekt zu erweisen nicht.
[4] Bittgebete für ihre Rechtleitung und Verbesserung sind erlaubt, aber für denjenigen, der im Zustand des Unglaubens gestorben ist, Vergebung zu erbitten ist nicht erlaubt.

Bezüglich dem Grüßen und Bittgebet
Das Urteil über Du’a haben wir schon durch Richtlinien #7 und #8 erfahren. Und das Urteil über Salaam sagen ist, dass es nicht erlaubt ist den Ungläubigen ohne Grund von sich aus Salaam zu sagen, denn darin liegt ihre Ehrung. Außerdem ist der Salaam eine Du’a des Friedens welche auch die Du’a für Vergebung beinhaltet. Und den Ungläubigen zu ehren oder seine Vergebung zu erflehen ist beides nicht erlaubt, wie auch in Richtlinien #5 und #7 erwähnt wurde. Folglich sollte man es vermeiden von sich aus ihnen Salaam zu sagen.

Sollten sie allerdings selber einem Muslim Salaam sagen, dann kann man in der Antwort nur „Wa ‚Alaykum“ sagen. Denn der Prophet صلى الله عليه وسلم sagte:

„Sage den Ungläubigen nicht als erstes Salaam. Sollten sie allerdings Salaam sagen, so antworte nur mit ‚Wa ‚Alaykum‚.“

[Mishkat: S. 398]

Sollte es aber eine Notwendigkeit oder eine religiöse Zweckmässigkeit fordern, kann man sie auch als erstes begrüßen. Jedoch ist es besser in diesem Fall anstatt „As-Salaamu ‚Alaykum“ folgendes zu sagen:

سالمٌ على من اتبع الهدى
„Friede sei auf dem, der der Rechtleitung folgt.“

Als der Gesandte Allahs صلى الله عليه وسلم dem römischen Cäsar einen Brief schickte, hatte er ihn mit diesen Worten als Begrüßung begonnen. [Mishkat: S. 340]

Gezwungenermaßen kann man auch „As-Salaamu ‚Alaykum“ sagen und für das Hände geben [Musaafaha] gilt auch dieses Urteil.

Und Allah weiß es am besten

[Auszug aus „Nawadir al-Fiqh“]

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